Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Frankfurt.

Veröffentlicht am 2. Dezember 2017 von wwa

HACHENBURG/FRANKFURT – „Stabilität und Sicherheit – Mittelstand in dynamischen Zeiten“. So lautete das Thema des diesjährigen Wirtschaftstages der Volksbanken Raiffeisenbanken in Frankfurt. Die Westerwald Bank eG hatte wieder Unternehmer und Führungskräfte aus der Region in die Jahrhunderthalle eingeladen. Die Besucher erlebten einen spannenden und informativen Tag mit interessanten Gesprächsrunden und anschließendem Meinungsaustausch.

Wilhelm Höser, Vorstandssprecher der Westerwald Bank: „Der Wirtschaftstag ist ein besonderes Highlight, weil nicht nur die Referenten besonders sind. Seit vielen Jahren gibt es diesen Event. Es ist ein Teil unserer gemeinschaftlichen Marke, das unsere Firmen- und wichtigen Privatkunden sehr gerne annehmen, weil sie die Möglichkeit des Gesprächs und der Kommunikation nutzen.“

Spitzen der heimischen Wirtschaft: Digitale Infrastruktur muss ganz oben auf die Agenda. Den Ausbau der digitalen Infrastruktur muss Deutschland jetzt ganz oben setzen, vor allem in ländlichen Regionen, wo auch viele mittelständische Unternehmen ihren Sitz haben. Das forderte unter anderem der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BVI), Professor Dieter Kempf, beim Wirtschaftstag 2017 der Volksbanken und Raiffeisenbanken in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Notwendig sei ferner, sich für die Cyber-Sicherheit künftig im vergleichbaren Umfang mit Investitionen zu engagieren wie für den Datenschutz, sagte der BDI-Präsident.

„Digitaler Investitionsstau“. Ähnlich äußerte sich Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs. „In den Bereichen Digitale Infrastruktur und Digitale Bildungspolitik hat Deutschland seit mindestens zehn Jahren einen eklatanten Investitionsstau“, betonte Neumann. Ein Beispiel dafür, wie man traditionelles Handwerk mit den Möglichkeiten der Digitalisierung kombinieren kann, lieferte Sabine Linz, Geschäftsführerin der Amoonic GmbH. Ihr Unternehmen liefert Schmuckstücke ganz individuell nach Kundenwunsch. Der digitale Wandel kann aus ihrer Sicht dafür genutzt werden, traditionelle Jobs zu erhalten.

Mehr Eigenverantwortung gefordert. As einen entscheidenden Erfolgsfaktor Deutschlands bezeichnete der frühere Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Klaus von Dohnanyi, „das Prinzip der sozial gesteuerten Eigenverantwortung“. Wer alles regeln wolle, zerstöre das, was Deutschland ausmache, sagte der SPD-Politiker, der nach eigenen Worten bei den Bundestagswahlen den Kanzlerkandidaten seiner Partei, Martin Schulz, nicht gewählt hat. Von Dohnanyi appellierte an die Politik, auch an die Verhandlungsführer für eine Jamaika-Koalition, auf allen Ebenen die Eigenverantwortung zu stärken. Den mittelständischen Unternehmen gab der Politiker die Empfehlung mit auf den Weg, der disruptiven Großindustrie mit einem hohen Maß an Flexibilität zu begegnen. Es sei unsinnig, gegen die Digitalisierung zu polemisieren. „Wir brauchen eine neue Marktwirtschaft für die Digitalisierung“, sagte von Dohnanyi.

Klitschko: Ukrainer lieben europäische Werte. „Willst du etwas gut machen, musst du es selbst machen“. Diese Maxime gilt nach Ansicht des Bürgermeisters von Kiew, Dr. Vitali Klitschko, für Politiker, Sportler und Unternehmer gleichermaßen. Die europäischen Werte seien für viele Ukrainer zu einem wichtigen Ziel geworden. Die Behauptung, die Ukrainer hassten die Russen, sei reine Propaganda. Aber die Ukrainer müssten die negativen Seiten des russischen Erbes überwinden, um das große wirtschaftliche Potenzial ihres Landes zu nutzen. Klitschko legte eine positive Bilanz der ersten drei Jahre seiner Tätigkeit als Bürgermeister vor. Größtmögliche Transparenz habe die „europäische Stadt“ Kiew entscheidend vorangebracht.

„Analoge Abschottung wird digital überwunden“. Wenn es dem deutschen Mittelstand gelingt, seine bewährten Tugenden aus der analogen in die digitale Welt zu überführen, resultierten daraus Umsatzpotenziale bis zu 126 Milliarden Euro in den kommenden sieben Jahren. Davon ist Michael Bockelmann, Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbands, überzeugt. In seiner Eröffnungsrede zum Wirtschaftstag ging Bockelmann auch auf die geopolitischen Konsequenzen der Digitalisierung ein: „Die analoge territoriale Abschottung kann digital einfach überwunden werden.“ Bockelmann griff im Gespräch mit dem Moderatoren-Duo Sandra Maischberger und Udo van Kampen zudem die Enthüllungen rund um die sogenannten Paradise-Papers auf. Bockelmann forderte, Europa solle bei der Vereinheitlichung der globalen Steuersysteme eine Vorreiterrolle übernehmen.