Fachtagung diskutiert Perspektiven, Möglichkeiten und Grenzen

Veröffentlicht am 11. November 2017 von wwa

MAINZ – 5. Berliner Runde zur Zukunft der Pflege – Fachkraftquote: Fachtagung diskutiert Perspektiven, Möglichkeiten und Grenzen – „Was machen wir mit der Fachkraftquote: Ganz ohne oder ganz anders oder weiter wie bisher!?“ Unter diesem Titel steht die 5. Berliner Runde zur Zukunft der Pflege, zu der die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und der nordrhein-westfälische Sozialminister Karl-Josef Laumann gemeinsam eingeladen haben. Im Fokus stand die Frage nach dem Umgang mit der Fachkraftquote angesichts des demografischen Wandels und der Herausforderung, genügend Fachkräfte für die Pflege gewinnen zu können.

Ministerin Bätzing-Lichtenthäler erklärte: „Pflegebedürftige Menschen, die in stationären Einrichtungen leben, haben einen Anspruch auf die bestmögliche Pflege. Deshalb müssen wir in eine gute Ausbildung und gute Arbeitsbedingungen in der Pflege investieren. Auch die Fachkraftquote ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Thema, dem sich Rheinland-Pfalz stellt. Die konstruktive Diskussion mit namhaften Expertinnen und Experten in der Berliner Runde zur Zukunft der Pflege hat gezeigt, dass es keine einfachen Lösungen geben wird. Deshalb begrüße ich sehr, dass sich die Partner der Pflege in Rheinland-Pfalz in einem gemeinsamen Arbeitsprozess auf die Umsetzung von Modellen verständigt haben, in deren Fokus die Sicherung der Pflege- und Betreuungsqualität auch mit einem veränderten „Personalmix“ steht. Es ist für mich jedoch unverzichtbar, dass diese Modelle einen Mehrwert für die Bewohnerinnen und Bewohner erbringen und nicht nur auf die Behebung der Personalnot abzielen. Solange keine in ihrer Wirkung nachweisbaren und wissenschaftlich belastbaren Alternativen beschrieben werden, ist in Rheinland-Pfalz die Fachkraftquote von fünfzig Prozent mit den gesetzlich gegebenen Gestaltungsmöglichkeiten die geltende Orientierungsgröße.“

In Vertretung von Minister Laumann begrüßte Staatssekretär Dr. Edmund Heller die zahlreich erschienenen Gäste. Dr. Heller machte deutlich, dass die derzeitige Fachkraftquote aus dem alten Heimrecht des Bundes nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhe. Er wies darauf hin, dass der Bundesgesetzgeber dieses Defizit im Rahmen der Pflegestärkungsgesetze erkannt und einen verbindlichen Prozess zur Erarbeitung von Personalbemessungsinstrumenten bis zum Jahr 2020 eingeleitet habe. „Von diesem Prozess erhoffe ich mir auch Erkenntnisse zu einer sinnvollen und zukunftsfähigen Personalstruktur. Den Ergebnissen dieses Prozesses wollen wir nicht vorgreifen, aber Impulse für die Diskussion geben. Klar ist auch: Wir werden kein Risiko zu Lasten der Pflegebedürftigen in den Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen eingehen. Bis die Ergebnisse der Studie vorliegen, werden daher auch wir die Fachkraftquote von fünfzig Prozent beibehalten“, erklärte der nordrhein-westfälische Staatssekretär.

Bätzing-Lichtenthäler und Dr. Heller dankten allen Referentinnen und Referenten der Berliner Runde, dass sie in einer kontroversen Debatte den zukunftsorientierten Prozess in der Pflege mit ihrer Kompetenz, ihren Ideen und Impulsen bereichert haben. Beide Politiker betonten, dass das große fachliche Interesse an der Veranstaltung zeige, dass die Diskussion um die Fachkraftquote ganz nah am Puls der Zeit sei und diese Frage offensichtlich polarisiere. „Wir freuen uns, dass wir dazu beitragen können, Forderungen und Positionen kontrovers und offen zu diskutieren und in einen echten Austausch zu gehen“, so Bätzing-Lichtenthäler und Dr. Heller „Wir sind uns einig, dass die Fachkraftquote auf keinen Fall im Sinne eines Qualitätsdumpings pauschal gesenkt werden darf. Dies wäre eine bewusste Inkaufnahme einer Pflege ‚zweiter Klasse‘.“

Das Format der Berliner Runde soll dem länderübergreifenden Austausch zu kritischen Themen dienen und zu gemeinsamen Lösungen beitragen. Eingeladen werden Expertinnen und Experten, die Ansätze aus unterschiedlichen und durchaus auch kontroversen Perspektiven diskutieren. Initiiert werden die Berliner Runden – die sich an Vertreterinnen und Vertreter von Bund und Ländern, Organisationen der Pflege und Selbsthilfe wie auch die interessierte Öffentlichkeit richten – von den Gesundheitsministerien in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.