„160 Jahre Familientradition Gasthof Erberz in Krunkel“

Veröffentlicht am 1. September 2017 von wwa

KRUNKEL – Gasthof Eberz (Krunkel) sagt Danke für 160 Jahre – fröhliches Fest bis tief in die Nacht – „160 Jahre Familientradition Gasthof Erberz in Krunkel“ feierte nicht nur das ganze Dorf, sondern auch Gäste aus nah und fern. Peter und Gertrud Schug („Wirtsleut“) hatten zur Geburtstagsparty im Stil der 60er und 70er Jahre eingeladen. Der Spielmannszug Obersteinebach-Epgert brachte ein Ständchen und nach der Begrüßung durch die Gastgeber gratulierte Ortsbürgermeister Werner Eul für die Gemeinde.

In den Räumen des Gasthofes Eberz im Stil der 60er und 70er Jahre wurde gefeiert, mit einer Theke aus den 70er Jahren mit alten Bierkrügen, Schultheis-Bier-Gläsern samt Bierdeckeln, Schultheis-Bier, Aschenbechern und vieles mehr aus vergangenen Zeiten. Durch die bunte Dekoration mit vielen Lampen und Kerzen entstand eine tolle Atmosphäre. Für super Stimmung sorgte auch Musik aus den 60er und 70er Jahren.

Natürlich gab es auch Getränke von damals: Persiko, Wodka mit Kirsche, Jägermeister, Kabänes, Eierlikör, Apfelkorn und vieles mehr. Viele der Gäste waren auch im Stil der 60er/70er Jahre gekleidet, mit teils sehr aufwendigen Kostümen. Fröhlich feierten Gäste und Gastgeber bis in den Morgen.

Ein Rückblick in die vergangenen 160 Jahre mit den wichtigsten Ereignissen, eine Sammlung von Postkarten, die den Gasthof Eberz aus aller Welt erreichten, eine Bilder-Dia-Show von dem Jubiläum zum 150. Geburtstag sowie ein Quiz rundeten das Geburtstagsprogramm, mit dem sich der Gasthof Eberz bei all seinen Gästen bedankte, ab.

Der Gasthof „Eberz“ in Krunkel verfügt heute über etwa 50 Sitzplätze und ist als gemütliches Lokal ein beliebtes Ziel von Jung und Alt. Dort treffen sich nicht nur die Einwohner aus Krunkel, Epgert, Obersteinebach und Umgebung, sondern auch die Mitglieder der verschiedensten Vereine.

Zum geselleigen Beisammensein, zum „Schwätzchen“ nach getaner Arbeit oder einfach nur zum Durstlöschen finden sich vor allem die Menschen aus dem „Horser Kirchspiel“ immer wieder bei Gertrud und Peter ein.

Es begann mit einem Kramerladen den Gerhard Momm im Jahre 1857 in dem Bauernhaus am Anfang des Ortes errichtete. In diesem wurden neben Haushaltswaren auch Tabak und alkoholhaltige Getränke angeboten. Er war es auch, der zuvor das heute noch erhaltene Fachwerkhaus erbauen lies, das wohl mit zu den ältesten Gebäuden in Krunkel zählt. Simon Eberz aus Peterslahr heiratete 1859 die Tochter Klara Momm und übernahm den Betrieb des Schwiegervaters. In einem Baugesuch von 1861 ist die Erwähnung als Gasthaus zu finden. Nach diesen Unterlagen soll an das bestehende Gasthaus und den Viehstall ein Schweinestall angebaut werden. Auf einem noch erhaltenen Gewerbesteuerbescheid aus dem Jahre 1876 erscheint neben Krämer und Bäcker, auch der Wirt als Berufszweig. In einem Schreiben des Bürgermeisteramtes Flammersfeld des Jahres 1878 musste Simon Eberz die Gewichtstücke in seinem Geschäftslokal nach der Maß- und Gewichtsordnung überprüfen lassen. In den folgenden Jahren wurde das Gehöft immer weiter ausgebaut und vergrößert. Es wurde auch ein zusätzliches Gastzimmer eingerichtet. Anno 1904 übernahm Hermann Eberz, Sohn des Simon Eberz, die Gastwirtschaft. Gleichzeitig wurde mit dieser Übernahme der Krämerladen aufgelöst. 1907 wurde dann aus Platzgründen die Mittelwand zwischen Gast- und Privatzimmer weggenommen und zu einem großen Wirtschaftsraum vereinigt; dieses ist übrigens heute noch zu erkennen.

Schon im Jahre 1914 erhielt der Gastwirt Hermann Eberz das erste Telefon in Krunkel, welches dem ganzen Ort zur Kommunikation mit der Außenwelt zur Verfügung stand. Im Jahre 1954 bekam er für 50jährige Berufszugehörigkeit vom Hotel- und Gaststättengewerbe Rheinland-Hessen-Nassau, die Goldene Ehrennadel verliehen. Im Jahre 1957 hatte der Gasthof seinen 100. Geburtstag.

Anno 1966 gab Hermann Eberz die Gastwirtschaft an seine Tochter Elisabeth Schmitt (Liesschen), geborene Eberz, ab. Vier Jahre später, 1970, erhielt der Gasthof Eberz seine erste Bierzapfanlage.

Anno 1982 feierte Elisabeth Schmitt das 125jährige Jubiläum des Gasthofes. Im Jahre 1986 wurde der Versammlungsraum aufgelöst und zum jetzigen Wohnzimmer umgebaut. Gleichzeitig wurde die Gaststätte um den heutigen Thekenraum erweitert. 1990 erfolgte die bislang letzte und wohl auch größte Umbaumaßnahme. Ein weiterer Anbau mit überdachter Terrasse zu den Toiletten und 20 zusätzlichen Sitzplätzen entstand. Am 1. März 1991 feierte Elisabeth Schmitt, geb. Eberz, ihr 25jähriges Geschäftsjubiläum.

Im Jahre 1992 übernimmt der heutige Inhaber Peter Schug die Gastwirtschaft von seiner Schwiegermutter. Die Haus- und Hofbauweise sowie der eigene Brunnen erinnern noch immer an das landwirtschaftliche Gehöft, zu dem auch Pferde und der Deckbulle des Dorfes gehörten. Bis zum heutigen Tag lebt die Familie von der Land-, Forst- und Gastwirtschaft. Eine Blütezeit erlebte der Gasthof während des Baus der Autobahn (Köln-Frankfurt) in den 30er Jahren als auch während des Baus der ICE-Schnellbaustrecke Köln – Frankfurt um die Jahrtausendwende. Die Wände des alten Wirtshauses könnten bestimmt von viel Freud, Leid und Jägerlatein der vergangenen 160 Jahre erzählen. (smh)

Titelfoto: Gertrud und Peter Schug hatten anlässlich des 160jährigen Bestehens ihres Gasthofes zur Geburtstagsparty im Stil der 60er und 70er Jahre eingeladen. Foto: Weingarten

Simon Eberz und seine Ehefrau Elisabeth (geborene Becker) mit ihren fünf Kindern. Simon Eberz führte die Gaststätte von 1857 bis 1904. Repro: Schug