Ausstellungseröffnung in der Neuwieder Stadtgalerie

Veröffentlicht am 27. November 2016 von wwa

nr-9974nr-9970NEUWIED – Barock Schauen & Schwelgen – Ausstellungseröffnung in der Neuwieder Stadtgalerie – Wer noch einen Sitzplatz bekommen wollte, musste schon sehr zeitig zur Tür der Galerie Mennonitenkirche herein spazieren. Dort begrüßte der Neuwieder OB Nikolaus Roth die Gäste persönlich. Etwas nervös erwarteten die Damen des Amtes für Marketing die sonst so pünktliche Kuratorin, die noch drei fehlende Bilder im Gepäck hatte. Diesmal war die in Bonn lebende Gisela Götz nicht mit dem Zug, sondern mit dem Auto von Freunden gekommen. Aber dann waren auch schon Helen und Christian Rohrbach auf dem Weg zum Klavier und eröffneten den Abend musikalisch. Nachdem auch der Oberbürgermeister seine Grußworte an Gäste, Künstler und bekannte Persönlichkeiten gerichtet hatte, kam Kuratorin Gisela Götz zu Wort. Besonders die Tulpenbilder hob sie hervor.

„Die Tulpe spielt in der Barockzeit in Holland eine große Rolle“, Georg Flegel (1566–1638) etwa war nicht nur ein großer Maler vieler Stillleben, er malte auch detailgetreue einzelne Tulpen. Diese Bilder wurden an den Zwiebeln befestigt, erzählt Götz, damit die Käufer wussten, was aus ihnen werden würde.In damaligen Zeiten waren sie unvorstellbar kostbar. „Von einer Zwiebel konnte man sich ein Haus an der Gracht leisten.“

Das Werk von Luzia Simons, einer Brasilianerin, die in Berlin lebt, hat dafür echte Tulpen gescannt und genau den richtigen Moment für die Aufnahme abgewartet. „Die welken etwas, und da kommt der Vanitas-Gedanke herein“, erklärt die Kuratorin. Leben in all seiner Pracht und Fülle mit vollen Zügen zu genießen war gerade im Barock sehr ausgeprägt.

Ein modernes Stillleben mit Blumen der gebürtigen Berlinerin Vera Mercer hängt ein Stück weiter. „Die 80-Jährige ist heute noch aktiv“, sagt Götz. Sie inszeniert barocke Fülle vor dunklem Hintergrund und fotografiert das Ergebnis. Aber wie die Niederländer baut sie Dinge ein, die eigentlich nicht richtig zusammenpassen, so die Kuratorin. Dem Podium gegenüber, eine Inszenierung von Ludwig dem XIV. (1638–1715) im Hermelinmantel mit Schwert auf einem Podest „Im Barock geht alles von ihm aus“ geht es nach oben. Ein lang gehegter Wunsch von Petra Neuendorf vom Stadtmarketing geht im Deichzimmer in Erfüllung verriet Gisela Götz

Barock trifft Pop-Art heißt es in dem eigens eingerichteten Café. Allein der Raum ist mit seinen inspirierenden Gegensätzen aus altmodischem Pomp und modernem Pomp, darunter eine riesige, bunte Kaffeetasse aus Stoff und ein großes Bild von einem Donat des gebürtigen Stuttgarter Michael Lauterjung, einen Besuch wert. Hier wird es demnächst an den Sonntagen Lesungen geben zu denen die Kuratorin die Anwesenden zum Ende ihrer Einführung einlud. Nachdem noch Mozart, mit dem warmen Sopran von Helen Rohrbach vorgetragen, durch die Räume der Galerie klang den offiziellen Teil beendete, durfte mit rotem und weißem Wein aus der Region geschwelgt werden. (mabe) Fotos: Marlies Becker